Blockchain in der Logistik und im Supply Chain Management

Fehlende Daten, Intransparenz, viele kleine Arbeitsschritte, aufwendiger und unübersichtlicher Papierkram, Schnittstellenprobleme und eine begrenzte Transporthistorie – das alles sind aktuelle Probleme in der Logistik und im Supply Chain Management. Aus diesen Probleme entstehen zusätzliche Kosten, langsame Prozesse, Vertrauensverluste und Qualitätsabstriche, bei denen die Blockchain Abhilfe schaffen kann.

Blockchain und Supply Chain

Nach dem Auftakt mit unserem Artikel Bockchain im Gesundheitswesen, welcher auf großes Interesse gestoßen ist, führen wir das Thema Blockchain in einer neuen Blog Reihe fort: Blockchain in der Logistik und Supply Chain. Zur Erinnerung: Die Blockchain ist wie eine Datenbank, die niemand manipulieren kann. Datensätze sind in dieser sogenannten Datenbank in Blöcken aneinander gereiht, sodass eine “Chain” entsteht. Die Basis ist dabei ein dezentralisiertes Netzwerk. Das Besondere und gleichzeitig der Vorteil der Blockchain ist, dass alle Teilnehmer jederzeit Transaktionen nachverfolgen können sowie wem welches Asset zugehörig ist. Durch die Dokumentation entsteht Sicherheit und Intermediäre sind nicht nötig. Gleichzeitig sind Fälschungen oder Beeinflussungen nicht möglich, da Transaktion Historien nachträglich nicht veränderbar sind und durch eine Verschlüsselung wird zusätzliche Sicherheit geschaffen. In der Logistik und im Supply Chain Management können wir uns die Blockchain praktisch vorstellen, da die Bedingungen und Probleme denen in der Finanz- und Krypto Branche ähneln. Aber wie genau funktioniert das hier, welche Anwendungsbereiche gibt es?

Track and Trace

Entlang der Supply Chain bezieht sich Track & Trace auf die Fähigkeit, den vergangenen und aktuellen Standort des gesamten Warenbestands sowie eine Historie der Warenaufbewahrung zu identifizieren. Track & Trace erfordert die Verfolgung von Waren durch eine komplexe Reise vom Rohmaterial über mehrere geografische Regionen für die Verarbeitung und Herstellung, durch die behördliche Kontrolle und schließlich zum Einzelhändler und Verbraucher. Die Verfolgung der Herkunft während dieser Reise ist entscheidend für die Gewährleistung der Produktsicherheit. Track & Trace ist in den heutigen Supply Chains oft eine Herausforderung, da veraltete Prozesse und unterschiedliche Datensysteme die Kommunikation behindern. Die fehlende Datenkompatibilität setzt Supply Chains Problemen wie Sichtbarkeitslücken, ungenauen Angebots- und Nachfrageprognosen, manuellen Fehlern, Fälschungen und Compliance-Verstößen aus. Mit der Blockchain-Technologie werden Anwendungen erstellt, bei denen mehrere Teilnehmer direkt über ein Peer-to-Peer-Netzwerk Transaktionen durchführen können, ohne dass eine zentrale Instanz zur Überprüfung der Transaktionen erforderlich ist. Jeder Netzwerkteilnehmer hat Zugriff auf ein gemeinsames Hauptbuch, das alle Transaktionen unveränderlich und verschlüsselt aufzeichnet.
Da Transaktionen immer mit einem Zeitstempel versehen und aktuell sind, können Unternehmen den Status und den Standort eines Produkts zu jedem Zeitpunkt abfragen. Dies hilft bei der Bekämpfung der oben genannten Probleme. Durch die Kombination von Blockchain mit intelligenten Technologien wie dem Internet der Dinge können Lieferketten die Nachverfolgung der Bedingungen von Produktion, Transport und Qualitätskontrolle automatisieren. Unternehmen können sich auch dafür entscheiden, Track-and-Trace-Daten mit ihren Kunden zu teilen, um die Echtheit der Produkte und ethische Richtlinien in der Supply Chain zu überprüfen.
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⇒ Die Blockchain und ihre Möglichkeiten im Gesundheitswesen.

Smart Contracts

Smart Contracts sind einfach gesagt Programme, die auf einer Blockchain gespeichert sind und ausgeführt werden, wenn vorher festgelegte Bedingungen erfüllt sind. Sie werden typischerweise verwendet, um die Ausführung einer Vereinbarung zu automatisieren, sodass alle Teilnehmer sofort Gewissheit über das Ergebnis haben, ohne dass ein Intermediär beteiligt ist oder Zeit verloren geht. Sie können außerdem einen Workflow automatisieren und die nächste Aktion auslösen, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Das funktioniert durch das Befolgen einfacher „wenn/wenn…dann…“-Anweisungen, die in den Code auf einer Blockchain geschrieben werden. Ein Netzwerk von Computern führt die Aktionen aus, wenn vorher festgelegte Bedingungen erfüllt und verifiziert wurden. Diese Aktionen könnten die Freigabe von Zahlungen an die entsprechenden Akteure, die Registrierung eines Fahrzeugs, das Versenden von Benachrichtigungen oder das Ausstellen eines Tickets umfassen. Die Blockchain wird dann aktualisiert, wenn die Transaktion abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass die Transaktion nicht geändert werden kann und nur Vertragspartner, denen eine Genehmigung erteilt wurde, die Ergebnisse sehen können.
Die heutigen Supply Chains werden immer komplizierter, fragmentiert und schwer zu verstehen. Smart Contracts können das Supply Chain Management einfacher und transparenter machen. Betrachten wir die Auswirkungen, die die vollständige Transparenz der Lieferkette eines Produkts für Unternehmen hat. So können nun Unternehmen den Ursprung von Teilen nachvollziehen, welche Unternehmen an der Herstellung des Produkts beteiligt waren und wie es von einem Ende der Supply Chain zum anderen gelangt ist. Dies ermöglicht den Unternehmen volle Transparenz und hilft, Partnerschaften zwischen Unternehmen zu stärken. Die Möglichkeiten sind endlos für alle Branchen, auch für solche, die scheinbar weniger profitieren.

Fazit

Tritt ein Problem auf, so dauert es meist sehr lange, bis die Ursache in der Supply Chain gefunden wird. Daraus folgen unnötige Verschwendungen von Ressourcen, zusätzliche Kosten für die Behebung des Problems und im schlimmsten Fall Reputation Einbußen, wenn ein Produkt zurückgerufen werden muss. Die Blockchain stellt bei einer Nachverfolgung von Waren in der Lieferkette sicher, dass alle Produktbewegungen und Veränderungen transparent sind. So sind Lebensmittel und pharmazeutische Produkte bestimmten Lagerungs- und Versandanforderungen unterworfen. Eine Blockchain, die mit IoT-Sensoren am Produkt verbunden ist, kann Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Vibration und andere Umgebungsmetriken aufzeichnen. Die gewonnenen Daten werden dann in einer Blockchain gespeichert. Mithilfe Smart-Contracts löst das System automatisch vordefinierte Rabattleistungen oder Rücknahmen aus, wenn einer der Messwerte außerhalb des zulässigen Bereichs liegt.
Jedoch wird es noch ein wenig Zeit brauchen, bis die Blockchain die Logistik Branche revolutioniert. Denn die Blockchain Technologie muss unter anderem in das Vertragsrecht integrieren und auch die technischen Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen. Aber intelligente Verträge können dazu beitragen, kostspielige Verzögerungen und Verschwendung durch manuelle Bearbeitung von Papierkram zu vermeiden. Damit wird die Logistik und das Supply Chain Management intelligenter, schneller und sicherer.

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