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Schützt die Digitalisierung das Klima?

Immer wieder kommt die Frage auf, ob Digitalisierung und Klimaschutz zusammenpassen. In einer aktuellen Kurzstudie von Bitkom wird der Wissensstand über die direkten und indirekten Auswirkungen der Digitalisierung auf das Klima aufgezeigt. Die Digitalisierung kann das Klima schützen, wenn man sie gezielt dafür einsetzt.

Bitkom Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Klimaschutz

Aufgrund der aktuellen Relevanz haben Bitkom, das Borderstep Institut und die Universität Zürich kürzlich eine Studie zu diesem Thema durchgeführt. Genauer wurden in der Metastudie die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Klimaschutz untersucht. Denn auch digitale Technologien verursachen Treibhausgase. Laut der Studie wirken sich digitale Technologien auf zwei Arten auf die Umwelt aus: direkt und indirekt. Mit der Studie sollen Antworten auf die Fragen gefunden werden, welches Wissen über den Treibhausgas-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus von Hardware vorhanden ist und wie man Emissionen durch digitale Technologien reduzieren kann. Die Ergebnisse sollen im Folgenden kurz diskutiert werden. Die Studie ist hier zum lesen als pdf verfügbar.

Direkte Auswirkung

Direkte Effekte der Digitalisierung auf den Klimaschutz entstehen durch den Energiebedarf und die Treibhausgas-Emissionen beim Betrieb und bei der Herstellung von digitalen Endgeräten und Infrastrukturen. Es lässt sich in diesem Bereich feststellen, dass über die Treibhausgas-Emission von digitalen Infrastrukturen nur sehr ungenaue und unterschiedliche Ergebnisse vorhanden sind. Man kann aber davon ausgehen, dass der Anteil größer wird, z.B. wegen Online Gaming, -Streaming oder -Shopping. Aber durch erneuerbare Energien bei großen Rechenzentren könnte der ökologische Fußabdruck dieser verbessert werden. Auch durch eine Verlängerung der Nutzungsdauer von Geräten kann dem Klima geholfen werden.

Indirekte Auswirkung

Die indirekten Effekte der Digitalisierung auf den Klimaschutz ergeben sich durch Veränderung z.B. im Konsumentenverhalten, welche durch die Nutzung digitaler Technologien entstehen. Die direkten Auswirkungen können die Treibhausgas-Emissionen aber auch senken. Diese Art der Auswirkung ist wesentlich schwieriger zu messen. Denn einerseits können Technologien wie z.B. Skype, zoom oder Hangouts das Klima positiv beeinflussen. Denn so wird eine Konferenz dann einfach über den Laptop abgehalten, anstatt an einem bestimmten Ort. Andererseits wird das Klima negativ beeinflusst, denn durch Online Urlaubsbuchung und Online Preiskämpfe zwischen Fluganbietern ist Reisen so günstig wie nie zuvor. Das sorgt so für ein erhöhten weltweiten, umweltschädlichen Tourismus. Eine indirekte Verbesserung der Klimafreundlichkeit ist z.B. möglich durch das Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln, intelligente Steuerung von Heizen und Kühlen in Gebäuden sowie eine Optimierung von Produktionsprozessen. Auch das schaffen von Aufmerksamkeit auf das Problem und ein Umdenken der Gesellschaft kann dem Klima helfen.

Der Energiebedarf für digitale Technologien in Prozent

Wie passen Digitalisierung und Klimaschutz zusammen?

Wie schon oben erwähnt, ist gerade Unterhaltungselektronik für Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Weltweit gibt es knapp 4 Milliarden Smartphones und wesentlich mehr IoT-Geräte. In Zeiten von Corona wird zudem besonders viel gestreamt, egal ob Netflix, Amazon Prime, Disney+, oder YouTube. Aufgrund von Homeoffice wird zudem vermehrt die Videotelefonie für Meetings genutzt. In Frankfurt am Main wurde an einem Internet Knotenpunkt zu Beginn der Covid-19 Krise 2020 der Datenstrom gemessen. Gemessen wurden dort “9,16 Terabit pro Sekunde – das sind zwei Milliarden Din A4 Seiten Text pro Sekunde”. Das “Problem” ist, dass vielen gar nicht bewusst ist, dass sie gerade für eine hohe Datenflut und damit für hohen Stromverbrauch sorgen. Denn die Server speichern Daten, und wenn die Daten mehr werden, wird mehr Strom verbraucht.

Dennoch ist es erst durch die Digitalisierung möglich, Prozesse so zu optimieren, dass sie im Endeffekt umweltfreundlicher werden. Und der Anteil, den z.B. das Streamen an den Treibhausgas-Emissionen ausmacht, ist vergleichsweise gering. Wir sollten uns also weniger sorgen darüber machen, dass wir zu viele YouTube Videos schauen, sondern uns auf die Möglichkeiten der Digitalisierung für den Klimaschutz konzentrieren. Wenn digitale Technologien intelligent eingesetzt werden, wie z.B. durch hilfreiche Apps für ein umweltfreundlicheres Leben oder Smart Homes, dann passen Digitalisierung und Klimaschutz zusammen.

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